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Zwischen Baumpflege und Fällung: Wie fundierte Baumentscheidungen getroffen werden

  • Autorenbild: Alessio Fontana
    Alessio Fontana
  • 29. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Bäume gehören für viele Menschen zu ihrem Zuhause dazu. Sie spenden Schatten, schaffen Atmosphäre, bieten Sichtschutz und sind oft über Jahrzehnte gewachsen - manchmal sogar selbst gepflanzt. Entsprechend emotional ist die Situation, wenn ein Baum plötzlich als „Problem“ wahrgenommen wird – etwa durch Totholz, Schiefstand oder Mistelbefall.

eine ausgewachsene Kiefer mit vitaler Krone
Bild 1: Eine ausgewachsene Kiefer mit Stammschaden, direkt nach einer schonenden Pflege

Die wichtigste Erkenntnis vorweg:

Nicht jeder auffällige Baum ist ein gefährlicher Baum – und nicht jeder gefährliche Baum muss sofort gefällt werden.


1) Was Baumpflege für Sie als Eigentümer bedeutet


Baumpflege ist keine kosmetische Maßnahme und kein unnötiger Aufwand. Sie ist eine gezielte Maßnahme, um Sicherheit herzustellen und den Wert Ihres Baumes zu erhalten.


Typische Pflegemaßnahmen sind:

  • Entfernen von Totholz oder beschädigten Ästen

  • Auslichten der Krone, um Windlasten zu reduzieren

  • Einkürzung überlanger Äste bei statischen Problemen

  • Aufbau‑ und Erziehungsschnitte bei jüngeren Bäumen

  • Entfernen von Fremdbewuchs oder parasitärer Befall

  • Bewerten von Lastverteilungen innerhalb der Krone

  • Freischnitt des Lichtraumprofils an Straßen und öffentlichen Wegen


Richtig ausgeführt sorgen diese Maßnahmen dafür, dass ein Baum wieder sicher stehen kann – oft über viele weitere Jahre hinweg.


2) Wann der Baumerhalt besonders sinnvoll ist


Ein Erhalt durch Baumpflege ist häufig die beste Lösung, wenn:

  • der Baum insgesamt vital wirkt

  • Schäden auf einzelne Bereiche begrenzt sind und als unbedenklich eingestuft werden können (z.B. Bild 2)

  • keine akute Gefahr für Haus, Terrasse, Wege oder Straße (Lichtraumprofil) besteht

  • der Baum gut zum Standort passt

  • Sie den Charakter Ihres Gartens erhalten möchten.


Gerade ältere Bäume müssen dabei nicht „perfekt“ aussehen. Ein Baum darf Narben, Höhlungen (z.B. Spechtlöcher) oder eine ungleichmäßige Krone haben – entscheidend ist, ob er standsicher und kontrollierbar ist.

ein Stück Metall ragt aus einem Kiefernstamm
Bild 2: Der als unbedenklich eingestufte Metallbolzen im Stamm der in Bild 1 zu sehenden Kiefer

3) Verkehrssicherungspflicht – was viele Privatkunden unterschätzen


Als Grundstückseigentümer tragen Sie Verantwortung. Das bedeutet nicht, dass jeder Baum risikofrei sein muss – aber erkannte Gefahren dürfen nicht ignoriert werden. Dazu zählt unter Anderem der Freischnitt des Lichtraumprofils, um den öffentlichen Verkehr an Straßen und Wegen zu gewährleisten.


Nach einer umfassenden Baumbesichtigung - im Zweifelsfall ist auch ein Baumgutachten erforderlich - kann aufgrund der vorliegenden Gegebenheiten entschieden werden, welche Maßnahme für den Baum am sinnvollsten ist. Die Baumfällung sollte dahingehend der letztmögliche Schritt sein, da schon eine umfassende Pflegemaßnahme Risiken deutlich reduzieren und weitere Fragen klären kann.

Auch Haftungsfragen können entschärft werden, da Sie dokumentieren können, dass Sie Ihrer Verantwortung nachgekommen sind.


Oft ist die gezielte und fachlich präzise Pflege außerdem die wirtschaftlichere und sinnvollere Alternative zur vollständigen Fällung.


Um die Verkehrsicherung aufrecht zu erhalten, empfehlen wir einen Pflegezyklus von ca. 4 Jahren, wobei sich der Zeitraum erfahrungsgemäß verkürzt, wenn der Baum bereits Auffälligkeiten (z.B. nach starken Eingriffen/ Sturmschäden) zeigt.


4) Wann eine Fällung dennoch notwendig wird


So ehrlich muss man sein: Nicht jeder Baum lässt sich erhalten. Eine Fällung ist fachlich geboten, wenn:

  • die Standsicherheit dauerhaft nicht mehr gegeben ist

  • starke Fäulnis im Stamm‑ oder Wurzelbereich vorliegt

  • der Baum abgestorben oder im Absterben ist

  • frühere unsachgemäße Schnitte massive Folgeschäden verursacht haben

  • bauliche oder rechtliche Vorgaben keinen Erhalt zulassen


Wichtig ist dabei: Eine seriöse Fällung ist immer das Ergebnis einer fachlichen Einschätzung, nicht einer vorschnellen Entscheidung aus Unsicherheit.


5) Warum sich Erhalt oft lohnt – auch ganz praktisch


Ein erhaltener Baum:

  • steigert die Aufenthaltsqualität im Garten

  • verbessert das Klima rund ums Haus

  • spendet Schatten in immer heißeren Sommern

  • spart Kosten für Neupflanzung

  • bewahrt den gewachsenen Charakter Ihres Grundstücks

  • bewahrt auch den Lebensraum für unzählige Lebewesen in unserer Umwelt


Gerade im privaten Umfeld zeigt sich: Der emotionale und praktische Wert eines Baumes wird den meisten Eigentümern oft erst nach einer Fällung wirklich bewusst.


Fazit – gute Beratung statt schneller Entscheidung


Baumpflege ist kein Selbstzweck und keine pauschale Empfehlung. Sie ist eine individuelle Lösung, wenn Erhalt verantwortbar, sicher und sinnvoll ist.


Eine Fällung kann notwendig sein. Aber sie sollte immer der letzte Schritt sein – nicht der erste Gedanke.

Oder einfacher gesagt: Der beste Baum im Garten ist meist der, der sicher stehen bleiben kann.



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